UA-176845053-2 Kultur- und Sozialgeschichte des Mannes und der Männlichkeit - Mens Mental Health

Wie konnte es soweit kommen? – Back to the roots of men

In der Kultur- und Sozialgeschichte des Männlichen und der Männlichkeit zeigt sich, dass die Mehrheit der Männer selbst in der Regel Opfer waren, und zwar zumeist der Herrschaft weniger Männer. Der Mann war also – wenigstens seit der Sesshaftwerdung im Zuge der Entstehung agrarischer Gesellschaften - überwiegend Opfer der Herrschaft weniger Männer (und manchmal auch Frauen), zunächst in Stammesstrukturen, später in feudalen Strukturen. 

Bisweilen standen mächtige Frauen im Hintergrund, oft die Mütter junger „herrschender“ Männer. Das Leben der einfachen Männer aus dem Volk war vorbestimmt als Sklaven, Leibeigene, Tagelöhner oder Kanonenfutter der endlosen Folge von Kriegen in den Armeen ihrer feudalen Herren. Klassisch etwa war das Verleihen oder der Verkauf von Soldaten an andere Staaten und Herrschaften, was sicher auch eine Form des Menschenhandels und der Sklaverei darstellt. 

So kämpften im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg im späten 18. Jahrhundert etliche Regimenter derartig zum Kriegsdienst gepresster hessischer Soldaten („The Hessians“) auf britischer Seite. Die Geschichte der Versklavung und Unterdrückung von Menschen – Männern und Frauen – ist lange und sprengt die hier gegebenen Grenzen. Aber so viel ist klar: Unterdrückung, Menschenhandel und Versklavung ist nicht nur eine Leidensgeschichte von Frauen und Kindern.


Opfer nach Geschlechtern aufrechnen ist sinnlos

Die meisten Männer in der Geschichte der Menschheit waren auf der Seite der Opfer, nicht der Täter. Und das sollte auch in der aktuellen Geschlechterdebatte Anlass zu Vorsicht gegenüber pauschalierten Sichtweisen und schnellen Schlussfolgerungen sein.

Männer sind im kollektiven, gesellschaftlichen Kontext und genauso im familiären Kontext als Partner und Söhne oft eben auch Opfer, nicht Täter. Und unter Berücksichtigung der transgenerationalen Dynamik ist zu berücksichtigen, dass missbrauchte und misshandelte Opfer oft auch im Erwachsenenalter zu Tätern werden können. Das Anliegen der Emanzipation und Überwindung von Gewaltkreisläufen muss sich also auf Frauen und Männer, Mädchen und Jungen beziehen.

Als Überleitung zu gelingenden Erziehungsprozessen und Lebenswegen gilt: Je mehr ein Mensch seine Talente und Möglichkeiten entfalten und entwickeln kann, desto mehr kann er auch der ganzen Menschheit geben. Die moderne Traumaforschung hat gezeigt, dass frühe Traumatisierungen von Kindern durch sexuelle, physische oder psychische Gewalt deren genetische Anlagen - sogar transgenerational - verändern und behindern kann. Dieses als Epigenetik bezeichnete Phänomen ist für viele problematische Entwicklungsverläufe verantwortlich.