UA-176845053-2 Die Kunst, eine gute Beziehung zu führen (Männerrat #5)

März 4

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Die Kunst, eine gute Beziehung zu führen (Männerrat #5)

Gute Beziehungen zu führen ist eine Kunst. Abes es lohnt sich, diese zu kennen, zu lernen und einzuüben. Eine langfristig zufriedene und glückliche Beziehung zu führen, ist eine Kunst, aber kein Zauberwerk. Leider wird die Fähigkeit zu gelingender Partnerschaftlichkeit meist nicht in der Familie und schon gar nicht in Schule und Medien gelehrt. Wir müssen es uns selbst erarbeiten. Die Kunst, eine gute Beziehung zu führen, will gelernt und geübt sein. Im Folgenden werden die Hintergründe von guten, gelingenden Beziehungen aus Sicht der Psychologie gezeigt. Gerade für Männer stellt dies heutzutage eine große Herausforderung dar, weil vielfältige, oft widersprüchlich erscheinende Forderungen an sie gestellt werden: Beschützer und erfolgreich sein, ein guter Liebhaber und Vater sein, gefühlig und stark sein, Schwächen zuzulassen und im richtigen Moment Stärke zu demonstrieren, sich selbst gut kennen, aber stets für andere da sein uvm.

Wie also lassen sich diese vielen Anforderungen, die schnell als Stress empfunden werden, bewältigen? Im Folgenden geht es um Lösungswege für Männer, die sich eine langfristig gute Beziehung wünschen. Dabei werden auch verschiedene Beziehungstypen erörtert: Der übermäßig abhängige, der übermäßig autonome und der zu Impulsivität und Aggressivität neigende Mann. Für alle drei Formen gibt es Lösungen, wenn Du Dich deiner Schwachpunkte und Stärken bewusst bist.

Die Kunst der Beziehungsführung

Männer können gute Beziehungen führen, die ausgeglichen und glücklich sind, wenn sie Autonomie und männliche Identität entwickelt haben. Die Erhaltung und Förderung der eigenen psychischen Gesundheit ist dabei wichtig. Kurz: Männer können am besten Beziehungen führen, wenn sie mit sich selbst im Reinen sind.

Der Weg dorthin verläuft oft nicht geradlinig und es kann zahlreicher Erfahrungen bedürfen, die zur inneren Ausgeglichenheit und Zufriedenheit führen. Die zufriedenstellende Beziehung mit sich selbst steht für jeden Mann im Vordergrund. Dann eine glückliche Beziehung zu führen, lernt man nicht in der Schule und viele hatten in ihren Eltern kein positives Modell dafür. Aber die Grundregeln für eine glückliche Beziehung sind bekannt und lassen sich einüben. Um diese geht es hier.

Männliche Lebens- und Beziehungsmuster

Viele Männer leben in Beziehungs- und Lebensmustern, die ihnen – vor allem langfristig – schaden. Zu diesen dysfunktionalen Beziehungen gehören z.B. übermäßige Dependenz von einer anderen Person, Symbiose mit der Mutter bis ins hohe Erwachsenenalter, Vereinsamung und Rückzug, Hypersexualität (z.B. Online-Pornographiesucht), Nichtbewältigung früherer Partnerbeziehungen und Verweilen in Verbitterung und Einsamkeit, sozialer Rückzug und Isolation, dysfunktionale Rollenmuster in Subkulturen (Devianz, Kriminalität), exzessives Arbeiten uvm.

Die männlichen Beziehungsmuster haben viel mit dem internalisierten Frauenbild der Männer zu tun, was wiederum durch die eigene Mutter, aber auch Schwestern und schließlich zunehmend durch die Medien geprägt wird. Dies kann eine sehr ungünstige Gemengelage an negativen, unbewussten Zuschreibungen an eine Partnerin ergeben.

Bekannt ist z.B. die Spaltung des Frauenbildes in Madonna und Hure. Diese Spaltung des Frauenbildes kann sich durch die Rolle einer unnahbaren Mutter, gepaart mit sexualisierten Bildern von Frauen aus den Medien – und besonders der Pornographie - ergeben. Ziel sollte dann für den Mann sein, ein konsistentes und vor allem realistisches Frauenbild zu entwickeln, um Frauen ohne diese innere Spaltung gegenüber zu treten. Wichtig ist dabei, dass Männer ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche kennen und reflektieren und dass sie Frauen fair und respektvoll begegnen, ohne sich selbst zu verleugnen oder sich automatisch unterzuordnen, um als gehorsamer Junge wahrgenommen zu werden. Wichtig ist vor allem, die Frau „lesen“ zu können, besonders wenn es um die nonverbalen Abläufe und Spiele rund um Nähe, Erotik und Sexualität geht. Selbstreflektion, gesundes Selbstwertgefühl und eine große Portion Empathie helfen also!


Dysfunktionale Frauenbilder erschweren die gesunde psychosexuelle Entwicklung von Jungen

Insgesamt fällt immer wieder auf, wie schwer es heutzutage für Jungen und Männer ist, ein realistisches Frauenbild zu entwickeln, mit dem sie zufriedene und glückliche Beziehungen führen können und ihren Partnerinnen adäquat begegnen können. Dies galt für frühere Zeiten genauso wie heutzutage. In den letzten Jahrzehnten hat sich eine positive Überhöhung des Frauenbildes und eine negative Tendenz im Männerbild etabliert. Frauen sind in den Medien und der Politik die chronisch Benachteiligten und Opfer, denen es stets zu helfen gilt, Männer stellen in grob verallgemeinernder Weise die Bösewichter und Täter dar. Es handelt sich um eine unrealistische, aber für den herrschenden Feminismus nützliche Spaltung des Menschenbildes. Die Tendenz zur zwischengeschlechtlichen Verzerrung der Geschlechterbilder ist in beide Richtungen stark, hat in den letzten Jahren seit den Debatten um toxische Männlichkeit und Frauenquoten noch deutlich zugenommen und führt immer wieder zu problematischen Interaktionen.

Die Erziehung von Jungen zu Männern ist oft nicht adäquat

Hinzu kommt eine wachsende Zahl von Fällen, in denen einzelne Mütter in bewusster Absicht oder in Verkennung der Realität ihren Jungen eine männerfeindliche Welt nahebringen. Gerade wenn diese Frauen subjektiv von Männern enttäuscht sind, ist diese Tendenz stark. Auch die letzten Endes egomane Haltung „Du gehörst mir!“ von manchen Alleinerziehenden gegenüber ihrem Kind schafft eine ungünstige Grundlage für das spätere Leben des Kindes und die Kompetenz, eine zufriedenstellende Paarbeziehung zu führen. Oft geschieht dies nach einer Trennung vom Partner aus Egoismus oder Narzissmus, aus falscher Gekränktheit und Rachegefühlen gegenüber ihrem Ex-Partner (siehe auch „Männer als Väter“) oder aus der eigenen Unfähigkeit mit den auftretenden negativen Emotionen adäquat umzugehen. Besonders Männer, die keine sichere Bindung zu ihrer Mutter erfahren haben, weisen oft ein unrealistisches, widersprüchliches - kurz dysfunktionales - Frauenbild auf. Es ist davon auszugehen, dass in der heutigen Gesellschaft bis zu 40% der Erwachsenen eine unsichere Bindung in der frühen Kindheit erlebt haben (siehe auch „Herkunftsfamilie“). Dies führt oft dazu, dass sie große Angst vorm Verlassenwerden aufweisen, sich vor Nähe fürchten, obwohl sie sie andererseits ersehen, und dass sie sich ihrer selbst innerlich unsicher sind.

Selbstreflektion: Welche Frauenbilder steuern unbewusst Dein Handeln?

Welche Frauenbilder trägst Du in Dir? Woher kommen diese? Hast Du Deine Frauenbilder schon mal bewusst reflektiert? Hat es Dich in eine ungünstige Partnerwahl getrieben oder sonst im Leben belastet oder gar geschädigt? Viele Männer geraten im Laufe ihres Lebens in so starke Konflikte mit sich oder in ihren Beziehungen, dass sie diese Hintergründe in einer Psychotherapie aufarbeiten sollten. Eine besondere Belastung in der heutigen Zeit besteht darin, dass Männer meist nicht mehr offen über ihre Frauenbilder sprechen können, ohne direkt Tadel oder Zurechtweisung erwarten zu müssen, weil ihre Ansichten als politisch nicht korrekt etikettiert werden. Eine Folge des übertriebenen radikalen Feminismus in Gesellschaft und Medien! Suche Dir für Gespräche über Dich, Deine Themen und Problem, nur vertrauensvolle Gesprächspartner, meist werden es andere Männer sein. Hierfür kommen auch Selbsterfahrungsgruppen für Männer (siehe https://mens-mental-health.de/selbsterfahrung/) in Frage. Wichtig ist, dass Du Dich akzeptiert und aufgehoben fühlen kannst. Die Gesprächsinhalte in der Männergruppe werden vertraulich und sorgfältig behandelt und nicht weitergetragen. Diese Standards gehören zum Grundkonzept einer jeden derartigen Gruppe.

Wege zur Weiterentwicklung des Mannes

So verschiedenartig Männer sind und auch sein sollen, so wichtig ist es, dass sie ihre Bedürfnisse und Potentiale entdecken, zu ihnen stehen und diese weiterentwickeln. Im Folgenden stelle ich einige typische Lebenslagen von Männern dar, gelingende und weniger gelingende. Doch auch für die weniger gelingenden gibt es Wege zur Weiterentwicklung. Bei der Förderung der persönlichen Potentiale bestimmst Du selbst, wie weit der Weg für Dich gehen soll. Neben der Selbsterfahrung oder Psychotherapie für Männer kommt dabei auch ein Coaching (siehe https://mens-mental-health.de/coaching/) in Frage. Dieses bereitet sie auf berufliche und private Interaktionssituationen vor und fördert Deine diesbezüglichen Kompetenzen. Bei allen Weiterentwicklungskontexten ist es vorteilhaft, Du holst Dir einen Mann an Deine Seite – als Berater, Coach, Wegbegleiter oder Therapeut.

Beziehungstypen von Männern und ihre Wege

Neben der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und der Stärken als Mann ist es besonders wichtig, dass Männer zufriedenstellende, gute Beziehungen zu anderen Menschen – Frauen und Männern - führen. Dies gelingt am besten vor dem Hintergrund einer klar entwickelten Identität als Mann, einer gut entwickelten Autonomiefähigkeit mit einem gesunden, realistischen und positiven Selbstwertgefühl. Die Fähigkeit zur Entwicklung eines solchen Selbst ergibt sich den Lebensläufen von Männern, ihren frühkindlichen Erfahrungen, ihrer Objektbeziehung (üblicherweise der Beziehung zur Mutter) und ihrer Beziehung zum Vater und dem entstandenen Vaterbild.

Insgesamt also steht im Hintergrund die frühkindliche und biographische Prägung und die bedeutsame, aber nicht völlig deterministische Rolle der wichtigen Modellpersonen, also mehr als jemals genetisch vermittelt werden kann. Durch die genetische Varianz und die sehr unterschiedlichen Lebenswege und –ereignisse entwickeln sich sehr verschiedenartige Beziehungstypen, von denen die wichtigsten im Folgenden beschrieben werden.

(1) Immer unterschlüpfen: Zu viel Nähe - der Abhängige

Meine Partnerin bestimmt mein Leben!

Viele Männer begeben sich in starke Abhängigkeit zu Frauen. Manche wollen gar nicht so starke dominiert werden, wie es dann geschieht, andere suchen unbewusst genau diese Unterordnung. Es kann also sein, dass Männer aus Gutmütigkeit und Kritiklosigkeit die Dominanz einer Frau zulassen. Sie werden dann zu dem, was im Volksmund „Pantoffelheld“ genannt wird. Andere brauchen die Strenge und das Reglement einer Frau geradezu. Beides sind dysfunktionale Beziehungsmuster, die aus übermäßig starken und dominanten Müttern resultieren können. Aber es ist dann die Aufgabe des Mannes, sich in seiner Partnerbeziehung zu befreien oder sich eine andere Beziehung zu suchen, wenn ersteres nicht gelingt.

Die übermäßige Beherrschung eines Mannes durch eine Frau erzeugt in den meisten Fällen Selbstwertkrisen, Depressivität und Suchtverhalten beim Mann, schadet ihm also in seiner psychischen Gesundheit. Er bekommt nicht den nötigen Respekt und keine ausreichende Autonomie. Oft kennt er genau dieses Muster aus seiner Kindheit und hat es in seiner Partnerin unbewusst wieder gesucht. Lediglich wenige Männer, die sich bewusst für ein solches Beziehungsmuster entscheiden, vor allem aus sexuellen Gründen als sogenannter „Sub“, scheinen damit zurechtzukommen.

Meine Partnerin verletzt und kränkt mich – und ich ertrage es

In den genannten Beziehungen mit Dominanz der Partnerin profitiert diese von ihrer starken Rolle und kann ihre Aggressionsimpulse psychisch mit Demütigungen und Kränkungen ausleben. Es kann auch zu physischen Übergriffen durch die Partnerin kommen – immer noch ein Tabuthema in Gesellschaft und Politik! Bisweilen weist die Partnerin ein narzisstisches, sadistisches oder dysphorisches Persönlichkeitsmuster auf, das sie an dem Mann abreagiert. Es kann z.B. so sein, dass die Partnerin immer mehr soziale Aufgaben in der Beziehung übernimmt. „Sie kann es sowieso einfach besser“, sagen Männer dann oft, ohne dass sie sich selbst je dafür angestrengt hätten. Sie pflegt die Freundschaften und Verabredungen dann am Ende ganz alleine und der Mann vereinsamt immer mehr, ohne es zunächst recht zu merken. Es kann auch passieren, dass sie ihn vor anderen entwertet und demütigt.

Oft stürzt er sich extrem in seine Arbeit und erwartet dafür den Respekt und Dank der Partnerin, die er natürlich nicht bekommt. Sie bestimmt immer mehr den das Alltagsverhalten des Mannes, was er zu tun und zu lassen hat, und vor allem, was nicht! Die Kränkungen und Verletzungen, die er jetzt in der inferioren Position erlebt, steckt er weg und kompensiert seine Lage mit Alkoholkonsum, ungesundem Essen, übermäßigem Arbeiten oder anderen selbstschädigenden Reaktionen. Nur wenige dieser Männer werden gegenüber ihrer Partnerin verbal oder gar physisch gewalttätig. Eher kommt es zu umgekehrter Gewalt, meistens emotional, bisweilen physisch.

Kindheit scheint sich zu wiederholen

Implizit wiederholen sich dabei oft die in der Kindheit erlebten Muster einer starken, bisweilen emotional übergriffigen Mutter. Sie wollte das Leben ihres Jungen auf allen Ebenen bestimmen. Dies kann recht verschiedenartige Gründe haben: (a) er soll und muss emotional gezügelt werden, weil er zu wild, aggressiv und ungestüm ist, (b) er ist „mein ein und alles“ und als solches muss sie ihm alles vorschreiben, alle Wege weisen, darf ihm aber keine wahre Autonomie lassen, (c) er soll einmal ein besserer Mann werden als mein eigener Partner das war und das kann er nur durch die Führung einer Frau und zwar der wichtigsten Frau in seinem Leben, der Mutter. Latent weiß sie schon lange, dass sie mit ihrem Partner die falsche Wahl getroffen hat, aber ihr Junge ist noch formbar (glaubt sie) und deshalb setzt sie alles daran, dies auch Wirklichkeit werden zu lassen, (d) sie muss ihn, weil er schwach und lebensunfähig ist, an die Hand nehmen und darf diese nie mehr wieder loslassen.

Andere Frauen wollen ihn – wenn er dann langsam äußerlich erwachsen und obendrein noch attraktiv für diese wird - ihr wegnehmen, verführen und verderben. Das muss sie auf jeden Fall verhindern. Die Mutter ist dann die übermächtige Kümmererin im Leben des Jungen und oft noch des späteren Mannes. Sie hat dabei viele Rollen inne, vor allem als Polizistin, Krankenschwester, Pflegerin, Priesterin, Ärztin, Therapeutin, Aufseherin etc.

Rollenmuster für übermäßige Dependenz des Mannes

Die genannten Rollenmuster für Mutter und später Partnerin (wenn es überhaupt zu einer Partnerschaft kommt) können für Männer lebensbestimmend werden und sie – im ungünstigsten Fall – auch ein Leben lang binden und in Unfreiheit halten. Es handelt sich im Grunde um die Muster: (1) Domestizierung des wilden Mannes, (2) Narzisstischer Mutterbesitz, (3) Partnerersatz und (4) Pflegerin.

Allen Rollenmustern gemein ist, dass die Jungen und Männer in übermäßiger Dependenz (Abhängigkeit) leben. Oft sind es vordergründig Vorteile (die Mutter oder die Partnerin erledigt alles für den Mann), die anfangs verlockend erscheinen. Am Ende ist die Beziehung wie ein Gefängnis, wobei die Kindheit in der Rückschau auch so erlebt wurde. Bei den Jungen führen diese dysfunktionalen Rollenmuster im Erwachsenenalter, da sie nun äußerlich Männer, innerlich aber abhängig und bedürftig geblieben sind, zu erheblichen Problemen mit sich selbst.

Die männliche Jungfrau

Dieses ebenfalls in Abhängigkeit gefangene Rollenmuster, bisweilen auch „absolute beginners“ nach einem Song von David Bowie benannt, der wiederum aus einem Musical stammt, das im West-London der 1940-er Jahre spielt, umfasst dependente, aber auch sozial-ängstliche und schüchterne Persönlichkeitsanteile beim Mann. Es handelt sich um Männer, die keine Beziehung zu Frauen anknüpfen können, weil ihre Ängste zur Kontaktaufnahme oder vor Nähe zu stark sind. Oft hatten sie eine übermäßig symbiotische Beziehung zur eigenen Mutter, aus der sie sich nicht zu lösen vermögen. Sowohl die Mutter als auch der gealterte Sohn haben einen latenten Gewinn aus der Situation. Im Hintergrund verhindert die Abhängigkeit von der Mutter jedoch die Autonomieentwicklung und die Heranreifung des Sohnes zum Mann.

Ähnlich wie beim ersten Rollenmuster werden Frauen als übermächtig und unerreichbar erlebt. Bisweilen liegen negative Erfahrungen von Misserfolg bei einer Kontaktaufnahme oder Zurückweisung im Frühstadium eines Kontaktes vor. Die Männer ziehen sich dann meist mit dem Gefühl der tiefen Zurückweisung und Kränkung zurück. Nicht selten entstehen Gefühle von Ärger und Hass auf konkrete Frauen oder Frauen als Ganzes. Manche dieser Männer hatten auch eine abweisende, emotional kalte Mutter, so dass sie kein Modell für Nähe und Intimität erleben konnten. Auch dies kann zu Problemen in der Beziehungsaufnahme zu Frauen führen.

(2) Lonesome Rider: Zu viel Autonomie

Es gibt auch viele Männer, welche die Autonomie in ihrem Leben überbetonen und deshalb Beziehungsprobleme entwickeln. Diese Probleme können in Isolation und Vereinsamung bestehen oder darin, dass die Männer in Beziehungen keine echte Nähe zulassen können. Dies führt dann zu einem Leben als „lonesome rider“, ohne dass dies zwingend so gewollt ist. Viele sind getrieben von unbewussten und unreflektierten Motiven.
Der Hintergrund für die Überbetonung der Autonomie ist – ähnlich wie bei der übermäßigen Dependenz – Angst. Diese besteht darin, die Kontrolle zu verlieren, psychisch ohnmächtig zu sein und übermäßig oder überhaupt manipuliert zu werden.

Diese Männer hatten bisweilen in der Kindheit eine übergriffige oder vernachlässigende Mutter, oft auch einen emotional kalten oder abwesenden Vater. Einerseits mussten sie dann das Zuviel an Nähe und Fremdbestimmtwerden durch die Mutter abwehren, andererseits mussten sie genügend Selbstbestimmung aufbauen, um überhaupt durchzukommen. Psychologisch haben sie früh bestimmte Weltbilder und Schemata internalisiert, die dann lebensbestimmend sind. Diese Überzeugungen, wie die Welt im Allgemeinen und die Frauen im Speziellen sind, stammen nicht selten von den Vätern. Die internalisierten Schemata erzeugen automatische, implizite Gedanken, dass „man Frauen nicht zu nahe an sich heranlassen darf“, „Frauen manipulativ sind“ oder „Frauen einen ausnutzen und einkassieren wollen“.

Übertriebene Autonomie ist keine Lösung

So hat der überbehütete Junge gelernt, dass er sich scharf abgrenzen muss, um nicht immer die Bedürfnisse der Mutter erfüllen zu müssen. Der vernachlässigte Junge lernt, dass er sich laut und stark artikulieren muss, um wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Die sich entwickelnden Verhaltensmuster machen im Kontext der Kindheit Sinn, sind aber im späteren Erwachsenenalter, wenn sie nicht flexibilisiert werden, dysfunktional und oft auch selbstschädigend, weil sie die Entwicklung zufriedenstellender Partnerbeziehungen verhindern. Solange die Verhaltensmuster im Unbewussten bleiben, ist die Gefahr einer Musterwiederholung jedoch groß. Männer schützen sich daher oft unbewusst mit übermäßiger Distanz vor solchen Musterwiederholungen. Dass sie sich mit ihrem starren, rigiden Verhaltensmusstern jedoch auch meist selbst auf dem Weg zum Lebensglück im Wege stehen, wird vielen lange oder gar nicht klar. Selbstbestimmt in Beziehung treten ist stets besser als sich zwanghaft in übertriebener Autonomie üben.

Angst vor Kontrollverlust als zentrales inneres Motiv

Es herrscht bei beiden Typen die Angst vor, dass sie die Kontrolle über sich verlieren, wenn sie sich zu sehr und zu nahe einlassen. Darin enthalten ist auch die Furcht, sich bei Nähe nicht mehr abgrenzen zu können. In stressreichen Beziehungssituationen können sie durchaus verbal aggressiv werden, weil sie fürchten, die Kontrolle über die Situation und sich selbst zu verlieren. Seltener kann es zu physischer Gewalt kommen, weil sie dann durch ihren aggressiven Kontrollverlust schon wieder ihre Autonomie eingebüßt haben. 


Thomas (42) lebt alleine in einer großen Stadtwohnung. Er ist ein gutaussehender, großgewachsener Mann mit vollem Haar, dem die Herzen der Frauen zu Füßen liegen. Dies lässt ihn jedoch kalt. Er lässt sich immer wieder auf kurzfristige Beziehungen ein, die selten länger als 6 Wochen dauern. Lieber hat er One-Night-Stands ohne anschließendes Frühstück. Er hat nur noch wenig Kontakt zu seinen Eltern. Besonders das Verhältnis zu seiner Mutter ist kühl und distanziert. Mit dem Vater unternimmt Thomas ab und zu Spaziergänge. Er ist dann aber nach kurzer Zeit genervt, weil er die Klagen des Vaters über das Verhalten der Mutter nicht ertragen kann.

In Frauen sieht er meist Wesen, die kontrolliert und auf Distanz gehalten werden müssen, weil sie ansonsten schnell manipulativ und übergriffig werden. Die moderne Frauenbewegung ist für ihn Ausdruck dieser manipulativen Machtfülle, die sich Frauen oft „anmaßen“. Thomas strebt auch bewusst keine Partnerschaft an, weil er fürchtet, zu sehr eingeschränkt zu werden.

Er fühlt sich meistens wohl mit seinem Leben, hat jedoch ab und zu „Durchhänger“, insbesondere seit er vor einigen Monaten zum ersten Mal Probleme mit dem Herzen entwickelt. Der Besuch beim Kardiologen erbrachte kein Resultat, was ihn einerseits froh machte. Andererseits irritierte ihn die Empfehlung des Arztes, er solle eine Psychotherapie beginnen, weil seine Herzprobleme vermutlich psychosomatisch bedingt seien.

Genauso wie die Dependenz hat die übertriebene Autonomie kurzfristig Vorteile. Diese bestehen darin, dass das Gefühl der Kontrolle erhalten bleibt und keine übermäßigen Ängste vor Fremdbestimmung und Manipulation erzeugt werden. Langfristig zeitigt der unflexible überautonome Stil jedoch viele Probleme, von der Isolation, Einsamkeit bis zur Depressivität und Suchtgefahr. Nur wenige Menschen können übermäßig autonom und sozial isoliert leben. Ein Exzess an Autonomie stellt letzten Endes eine Selbstschädigung dar.

(3) Wandelnder Vulkan: zu viel Aggressivität

Der dritte Mann-Typ vertritt das Stereotyp, das neuerdings für den Mann an sich steht, wenn von toxischer Männlichkeit die Rede ist. Es ist der Mann, der – vor allem unter Stress oder auch aus Berechnung – übermäßig aggressiv wird, der Typ mit der „toxischen Männlichkeit“. Er hat oft schon einen hochaggressiven Vater erlebt, der ihn geschlagen und misshandelt hat. Der Vater ist leicht reizbar, kann seine Impulse schwer kontrollieren und unterdrückt Frau und Kinder. Oft hat er Probleme mit Alkohol, Glücksspiel und Drogen, die er natürlich nicht einsieht. Die Aggressivität des Mannes soll seine Schwächen verbergen und ist selbst ein Zeichen von Schwäche.

Meist tritt die Hyperaggressivität in Kombination mit Schwierigkeiten bei der Impulskontrolle auf. Auch dieser Typ Mann entwickelt in Beziehungen regelhaft Probleme. Die Partnerinnen und Kinder leiden unter seiner Aggressivität und entwickeln Angst vor ihm. In modernen Gesellschaften enden solche Beziehungen oft in Trennungen. Solange der Mann seine Grundprobleme (leichte Erregbarkeit, Impulskontrollprobleme) nicht in den Griff bekommt, kann er keine zufriedenstellenden oder gar glückliche Beziehungen führen.

Die Kunst, eine gute Beziehung zu führen - Tipps zur Verbesserung der Beziehungskompetenz:

 
1. Hinterfrage immer zuerst Dein eigenes Verhalten, erst dann das der anderen Person! Du wirst bei beidem interessante Entdeckungen machen können. Um eine gute Beziehung zu führen, braucht eine Beziehung kontinuierlich Beziehungspflege!
2. Achte in Beziehungen auf die Balance zwischen Nähe und Distanz! Du hast das Recht, Nähe und Distanz zu regulieren, genauso wie Deine Partnerin. Am besten ist es, sich gegenseitig dabei abzusprechen, sich auszubalancieren.
3. Eine gute Beziehung besteht aus einer Balance aus Geben und Nehmen. Ist die Balance für Dich noch ausgeglichen oder musst Du etwas ändern? Dann mach Dir schonungslos klar, was sich ändern muss. Von alleine ändert sich nichts. Also fang an! Auch das gehört zur Beziehungspflege!
4. Mache Dir klar, was Du von und in einer Beziehung erwartest! Erörtere diese Punkte am Anfang einer neuen Beziehung möglichst frühzeitig und offen. Bei einer länger bestehenden Beziehung, mit der Du unzufrieden bist, solltest Du Deine Erwartungen und Wünsche nach und nach oder in einem moderierten Gespräch (Paarberatung oder Paartherapie) einbringen.
5. Genieße das Gute in Beziehungen und teile dies mit Deiner Partnerin! Gib ihr (ihm) Rückmeldungen in Bezug auf das Gute. Dann kann es zunehmen. Lob und Zuwendung erzeugen mehr von dem Guten und lässt es wachsen. 


Tags

Abhängigkeit, Beziehungen, Beziehungskunst, Beziehungspflege, Dependenz, Emotionen, Frauen, Glücksgefühl, Liebe, Männer, Partnerschaft, Sexualität


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