UA-176845053-2 Diskriminierungen von Männern und was dagegen getan werden kann

April 30

0 comments

Zehn Gaps und Diskriminierungen von Männern und was dagegen getan werden kann

Sozial geschaffene Unterschiede zwischen den Geschlechtern („gaps“) und dahinter liegende Diskriminierungen von Frauen („gender pay gap“) beherrschen die öffentliche Diskussion seit einigen Jahren. Während der wahre gender pay gap nicht den meist behaupteten Zahlen von 21% bis 17% entspricht und bereinigt eher bei 2% bis 4% liegen dürfte (interessanterweise kann niemand diese so eindeutig klingende Zahl bis heute valide beziffern), werden andere Gaps und Diskriminierungen selten oder gar nicht erörtert, insbesondere wenn sie zu Lasten von Männern sind. Diese gelten dann pauschal als privilegiert. Für die Benachteiligten wird durch eine „positive Diskriminierung“ versucht, eine Besserstellung zu erreichen. 

Quotenregelungen zählen zu solchen Maßnahmen positiver Diskriminierung. Die Strategie stammt aus der US-amerikanischen Gesetzgebung der „Affirmative Action“. Es handelt sich um gesellschaftspolitische Maßnahmen, die der negativen Diskriminierung sozialer Gruppen in Form gesellschaftlicher Benachteiligung durch gezielte Vorteilsgewährung entgegenwirken sollen. Solche Strategien sind jedoch fragwürdig, zum einen wenn sie zu einer Besserstellung der einst Benachteiligten gegenüber der Mehrheit führen und zum anderen wenn relevante Benachteiligungen gar nicht berücksichtigt werden. 

„Call for action“: Diskriminierungen und Gaps zu Lasten von Männern

Im Folgenden werden die zehn wichtigsten Benachteiligungen dargelegt, die Männer in der heutigen Gesellschaft betreffen. Dies ist mit einem nachhaltigen „call for action“ verbunden. Mit anderen Worten: Politik und Gesellschaft können nicht weiter ausschließlich für Besserstellung von Frauen handeln, während Männer in entscheidenden Bereichen benachteiligt bleiben oder werden. In den im Folgenden dargestellten zehn Bereichen sind für Männer solche, in denen Benachteiligung oder Diskriminierung erfahren. Es bedarf einer gesellschaftlichen Sensibilisierung und Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. So kann ein wichtiger Beitrag zu tatsächlicher Geschlechtergerechtigkeit – nicht von Ideologien, sondern von empirischen Fakten hergeleitet - erreicht werden. 

Zehn Gender Gaps für Männer

1. Empathiemangel für Jungen und Männer („Gender Empathy Gap“)

Bei der Bewertung von Opferschaft werden Männer oft nicht gesehen oder gar nicht als Opfer gewürdigt. Wenn feministische Außenpolitik das enorme Leid der Frauen im Ukraine-Krieg beklagt, fällt gleichzeitig auf, dass das größte Opfer, sein Leben als Soldat im Kampf zu geben, auf Seiten der Männer gar nicht erwähnt wird. Das ist Gender Empathy Gap! Männer als Opfer zu sehen, passt nicht in die einseitige Agenda des Feminismus. Dies trifft auch auf Fälle häuslicher Gewalt zu, wo etwa ein Drittel aller Betroffenen Männer sind.

Die Tatsache, dass die Mehrzahl aller Opfer von Gewalthandlungen in der Gesellschaft Männer sind, ist kaum öffentlich bekannt. Wenn Männer Opfer werden, erfolgt oft vorschnell eine Schuldzuweisung („selbst schuld“) oder es herrscht ein Mangel an Mitgefühl („gender empathy gap“) vor. Andererseits werden Frauen öfter und automatisch als Opfer angesehen, auch wenn dies nicht den Tatsachen spricht, was für eine Rollengeneralisierung spricht. Dies spielt bei falschen Anklagen („false accusations“) gegenüber Männern eine wichtige Rolle. 

Selbstverschleißung und Selbstaufopferung als traditionelle Männerrolle

Männer haben traditionell in Gesellschaft und Familien immer wieder gelernt, dass sie sich im Alltag zurücknehmen, aber besonders in Notfällen und in Kriegen selbstverschleißen und opfern sollen. Dies betrifft den hohen Einsatz für die Arbeit, die Familie, Hilfe bei Notfällen und im Extremfall auch die rücksichtslose Hingabe des eigenen Körpers oder Lebens im Krieg. Für die Mehrheit der Männer in der Geschichte letzten Jahrtausende bedeutete Leben Unterdrückung und Opferrolle. Ins kollektive Bewusstsein hat sich die kulturelle Kardinalregel der Selbstaufopferung am stärksten mit der Rettungsparole „Frauen und Kinder zuerst“ beim Untergang der Titanic 1912 gebrannt.

Dabei wurde der geringere Wert des Männerlebens und ihre Verpflichtung zu Mut und Hingabe dadurch bestimmt, dass sie erwachsen sind (weniger Lebenszeit als Kinder) und keine Kinder gebären können (weniger bevölkerungsrelevant als Frauen). Aktuell zeigt sich die Verpflichtung zur Selbstverschleißung und Opferschaft dadurch, dass im Ukraine-Krieg Männer zwischen 18 und 60 nicht fliehen dürfen, sondern der Verteidigung des Landes zur Verfügung stehen müssen. Männer, die sich dem widersetzen oder fliehen, werden negativ verurteilt und gelten wie eh und je als Feiglinge.

Diese Unterscheidung zwischen den Rollen von Männern und Frauen im Krieg wurde bislang öffentlich kaum problematisiert. Von feministischer Seite, die sonst regelhaft Gleichstellung fordert, ist in dieser Sache nichts zu hören. Grundsätzlich sollte entsprechend den radikalfeministischen Forderungen auch im Krieg Gleichstellung bei Kampfhandlungen und Heimatverteidigung gelten. Obwohl bis zu 20% der ukrainischen Armee aus Frauen besteht und diese tapfer und mutig kämpfen, findet sich im westlichen Feminismus und Genderismus keinen Widerhall. Hier belässt man das Kämpfen und Sich-Aufopfern lieber den Männern. 

Weniger Mitgefühl mit Männern in Not bei Männern und Frauen 

So stellt der Ukraine-Krieg 2022 einen interessanten, aktuellen Beleg für den Gender-Empathy-Gap dar. Auch in psychologischen Experimenten konnte wiederholt gezeigt werden, dass männlichen Jugendlichen und Männern in Notsituationen seltener geholfen wird als Mädchen und Frauen. Und dies trifft auf Männer und Frauen als Beobachter zu. Mit anderen Worten: Gerade Männer helfen und beschützen Frauen mehr als sie dies mit anderen Männern tun. Dieses tief evolutionär und kulturell tief verwurzelte Verhalten widerspricht den pauschalen Verurteilungen von Männern als toxisch und frauenfeindlich. Diese sind Ideologien, die auf die Mehrzahl der Männer nicht zutreffen. 

Ein weiterer Bereich, in dem sich das Phänomen der unterschiedlichen Empathie für Frauen und Männer ausdrückt, ist das Strafrecht. Männer erhalten für gleiche Delikte in Strafverfahren häufiger eine Haftstrafe und – wenn Frauen auch mit einer Haftstrafe verurteilt werden – erhalten auch längere Haftstrafen. Mit anderen Worten: Richter, Schöffen und Geschworene zeigen weniger Empathie und Milde mit männlichen Tätern im Vergleich zu weiblichen. Zum Thema insgesamt siehe auch www.genderempathygap.de

2. Bildungsbenachteiligung für Jungen („Gender Education Gap“)

Auch im Bereich der schulischen Bildung kommt es zu einer latenten Benachteiligung des männlichen Geschlechts. Bei mehr als 90% Erzieherinnenanteil in den Kindergärten und knapp 89% weiblichen Lehrkräften an den Grundschulen haben Jungen es oft schwierig, Rollenmodelle für männliches Verhalten zu finden. Nicht allen weiblichen Fachkräften gelingt es, sich Jungen und Mädchen gegenüber in gleicher Weise akzeptierend und empathisch zu verhalten. Selbst wenn das wildere Spielen, Toben und Konkurrieren von Jungen akzeptiert und verstanden wird, was oft nicht der Fall ist, können seitens der weiblichen Fachkräfte unbewusste Vorurteile und Ressentiments bestehen. Mehrere Studien konnten zeigen, dass wortgleiche Aufsätze zu unterschiedlichen Benotungen führten, je nach dem, ob der Name eines Jungen oder eines Mädchens darüber verzeichnet war. Jungen erhielten tendenziell schlechtere Noten

Die Schieflagen bei den Fachkräften im Primärbereich sind am Ende problematisch für Jungen. Sie interessieren die Gleichstellungsbeauftragten nicht, obwohl dies ein wichtiger Tätigkeitsbereich wäre. Der Mangel an Männern in diesen Berufen wird zwar gerne beklagt, die Maßnahmen zur Veränderung bleiben jedoch auffällig matt. Schon heute schließen durchschnittlich je nach Bundesland 6% bis 10% weniger Jungen eines Jahrgangs mit dem Abitur ab als Mädchen. Der Effekt wird sich in Kürze bei Hochschulabschlüssen ebenfalls zeigen und danach in der Arbeitswelt bei hochqualifizierten Fachkräften auch auftauchen. Es ist höchste Zeit, dass Bildungspolitik und Wirtschaft gegensteuern. 

3. Männern werden Privilegien unterstellt, auch wenn sie nachweislich keine haben

Männer leben öfter in prekären Verhältnissen wie Wohnungslosigkeit, Strafhaft oder sind häufiger in prekären Arbeitskontexten (siehe Pkt. 7) tätig. Auch sind sie zunehmend von schlechterer Bildung betroffen. Trotzdem werden ihnen pauschal Privilegien und Vorteile unterstellt, die aber in Wirklichkeit wenige Männer – wie auch Frauen – genießen. Es gibt kein patriarchales System, das Männer grundsätzlich begünstigt. Das immer wieder von feministischer Seite bemühte Narrativ einer patriarchalen Verschwörung der Männer entpuppt sich bei kritischer Prüfung in der westlichen Welt als eine Verschwörungserzählung, eine Illusion. Vielmehr sind Männer sowohl in herausgehobenen als in benachteiligten gesellschaftlichen Positionen übermäßig häufig vertreten. 

Dies wiederum hat vielfältige Gründe, von stärkerer Leistungsmotivation auf der einen bis hin zu geschlechtsbezogener Benachteiligung auf der anderen Seite (siehe Pkte. 2 und 7). Männer zeigen mehr extreme Verhaltensweisen und weisen mehr Zugehörigkeiten zu Extremgruppen auf als Frauen. Dies trifft auf höchstbegabte Schachspieler, Hyperintelligente und Machtmenschen auf der einen Seite zu wie auf Messies, Wohnungslose und Minderintelligente auf der anderen Seite zu. Das Phänomen dahinter, die „Extremitätshypothese“, zeigt, dass es nicht um Privilegien, sondern um die Verteilung von Eigenschaften und Merkmalen in den beiden Grundgesamtheiten der Männer und Frauen geht.

Wenn es sich um das Thema Privilegien handelt, ist das ein Phänomen von Oligarchen. Diese werden natürlich oft von Männern dominiert, es handelt sich dabei aber um sehr wenige, so dass die Mehrheit der Männer ganz und gar nicht in Bezug auf Besitz, Geld und Macht als privilegiert zu betrachten sind. Männern pauschal zu unterstellen, sie verfügten über mehr Privilegien als Frauen und dass dies Ausdruck eines geheimen Machtsystems sei, ist Zeichen eines wenig reflektierten und empirisch nicht fundierten ideologielastigen Blicks auf die Welt. Die Empirie des realen Lebens von Männern und Frauen ist eine andere als die der meisten Genderideologen und Feministinnen.

4. Väter sind in Scheidungsverfahren immer noch Elternteil zweiter Klasse

Jährlich sind in Deutschland mehr als 120.000 Kinder durch die Scheidung ihrer Eltern betroffen. Hinzu kommen viele Partnerschaften ohne Trauschein, bei denen ein Kind geboren wurde und aufgewachsen ist. Mehr als 100.000 Kinder jährlich verlieren den dauerhaften, engen Kontakt zu ihren Vätern, oft gegen den erklärten Willen des Vaters (siehe auch „Männer als Väter“).

In den familiengerichtlichen Auseinandersetzungen drohen den Vätern, wenn sich die Ex-Partner nicht einigen können, regelhaft Benachteiligungen, was den intensiven Umgang mit ihren Kindern angeht. Oft herrscht noch ein Residenzmodell mit einer 14-Tages-Besuchsregelung beim Vater vor, was bedeutet, dass die Kinder 12 Tage bei der Mutter und dann 2 Tage beim Vater sind. Gegen das von vielen Kinder- und Familienexperten favorisierte Wechselmodell (das Kind lebt 1 Woche bei der Mutter und dann 1 Woche beim Vater) bestehen oft noch Bedenken. Vor allem gelingt es noch zu oft, die Rechte der Väter offen oder subtil zu sabotieren („Das Kind will nicht zu Dir“) und dadurch mehr und mehr für eine Entfremdung zwischen Kind und getrennt lebendem Elternteil (in ca. 90% der Fälle der Vater) zu sorgen. 

Jugendämter und Familiengerichte sind sehr unterschiedlich für diese Problematiken sensibilisiert und oft noch nicht bereit, sich mit dem Problem der Eltern-Kind-Entfremdung (EKE) zu befassen. Dabei ist schon lange bekannt, dass durch EKE (englisch: Parental Alienation Syndrome PAS) nicht nur der getrennt lebende Elternteil benachteiligt und psychisch gestresst wird, sondern dass vor allem die entfremdeten Kinder nachhaltige, oft lebenslange Schäden davontragen. Darüber hinaus erleben geschiedene Väter oft demütigende und entwertende Interaktionen mit wenig sachkundigen Fachkräften bei Jugendämtern und bei familiengerichtlichen Gutachtenerstellungen. Schließlich kann es auch zu finanziellen Belastungen des getrennt lebenden Vaters kommen, wenn dieser vollen Monatsunterhalt für seine bei der Mutter lebenden Kinder zahlt, diese sich aber viele Tage im Monat (erfreulicherweise) bei ihm wohnen.

5. Männer zuletzt – der Aufopferungsgap

Sich Aufopfern im Krieg, für die Familie, für die Arbeit. Diese tradierte Männerrolle wollen mehr und mehr Männer nicht mehr einnehmen. Selbstbestimmt leben, das heißt aber auch, sich nicht vom Feminismus bestimmen zu lassen, was ein Mann darf und soll und was nicht. In Gesellschaft und Politik ist dies aber inzwischen der vorherrschende Modus. Männer erleben zu oft Benachteiligungen (im Umgang mit ihren Kindern, im finanziellen Bereich, bei der Berufskarriere), wobei gleichzeitig von ihnen die klassische aufopfernde Männerrolle erwartet wird. So ist es auch aktuell im Ukraine-Krieg. Männer wollen immer häufiger einen Weg finden zwischen eigenen Interessen, die sie selbstbewusst vertreten und den sozialen, partnerschaftlichen und familiären Interessen finden. Dabei müssen sie sich aber auch darauf verlassen können, dass sie fair und gleichwertig behandelt werden

Dies ist heute im gesellschaftlich-politischen Raum oft nicht mehr gegeben (siehe ausführlich „Ich wünsche mir ein Familienministerium, das sich auch um Jungen und Männer kümmert…“). Das, was Frauen früher als Doppelbelastung zwischen Halbtagstätigkeit, Familie und Haushalt beklagten, ist für Männer heute oft zur Mega-Belastung zwischen Vollzeittätigkeit, Familie und Haushalt geworden. Hier ist ein Selbst-Aufopferungsgap entstanden, der so bislang noch gar nicht bekannt war und heutzutage stillschweigend den modernen Männern zugemutet wird. Es ist in der Folge nicht überraschend, dass immer weniger Männer bereit sind, dem klassischen Partnerschafts- und Familienmodell zu folgen. 

6. Karriere- und Erfolgsdruck 

Männer erleben nach wie vor einen stärkeren Karriere- und beruflichen Erfolgsdruck als Frauen. Dies führt dann zu den unter Pkt. 5 beschriebenen Mehrfachbelastungen, wenn Männer auch gegenüber ihren Frauen und Kindern die modernen Rollenerwartungen erfüllen wollen. Wenn sie sich diesem Mehrfachrollendruck bewusst nicht beugen möchten, erlebt die Mehrheit der Männer, dass sie dann auf dem Partnermarkt wenig erfolgreich sind, wenn sie für Frauen keinen attraktiven Job und keine gesellschaftlich angesehene Position innehaben. Dies wird von den meisten Frauen nach wie vor so erwartet.

Umgekehrt gilt diese Erwartung für Frauen bei weitem nicht in gleichem Maß. 77% der modernen Frauen sagen, dass sie von ihrem Partner erwarten, dass er die Familie gut versorgt. Männer erleiden damit, wenn sie auch perfekte Partner und Väter sein wollen, was ebenfalls starke Erwartungen an sie darstellen, einen nie gekannten multiplen Rollenstress. Wenn sie ein geringes Einkommen haben oder gar Hartz-IV-Empfänger sind, erleiden sie einen drastischen Attraktivitätsabfall auf dem Partnermarkt. Männer sollten daraus lernen, sich proaktiv gegen die Erwartungen ihrer Umwelt zu emanzipieren, auch wenn dies zunächst wenig erfreuliche Reaktionen erzeugt. Auf die lange Sicht nutzen sie damit ihrer Gesundheit, ihrer Autonomie und ihrem Selbstwertgefühl.

7. Gefährliche Jobs und tödliche Arbeitsunfälle

Die gefährlichsten Jobs auf dieser Welt werden ganz überwiegend von Männern ausgeführt. Dazu gehören Tiefbau, Hochbau, Fischerei, Kraftwerke, Stahlindustrie, Schlachtereien, Abfallentsorgung und Bergbau. Bei den 20 gefährlichsten Jobs beträgt der durchschnittliche Männeranteil in den USA 89%. Dementsprechend entfallen mehr als 95% aller tödlichen Arbeitsunfälle auf Männer. Die Zahlen sind in Deutschland ähnlich, ohne dass dies hierzulande allzu oft thematisiert wird.

Es ist eben kein Privileg, sein Leben oder seine Gesundheit im Krieg oder in gefährlichen Berufen zu opfern. Häufig übernehmen Männer diese Jobs, um ihre Familien ernähren zu können, sind also Beschützer und nicht toxische Täter. Dass Männer diese Jobs übernehmen und darin oft noch Überstunden ableisten, hängt mit den Erwartungen (siehe Pkt. 6) und Verpflichtungen zusammen, die an sie gestellt werden, wenn sie auf dem Partnermarkt erfolgreich und attraktiv sein wollen. 

8. Männer sterben früher

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern liegt um 4-5 Jahre geringer als die der Frauen. Männer leben derzeit in Deutschland durchschnittlich 78.9 Jahre, Frauen 83.6 Jahre. Auch dies ist kein Privileg, sondern ein offener Nachteil. Der Überhang an Lebensjahren zu Gunsten der Frauen wird beim Gender-Pay-Gap im Übrigen nicht berücksichtigt. Die Ursachen für diese Frühsterblichkeit der Männer sind vielfältig. Nur ein geringer Teil entfällt auf die lange Zeit favorisierte Testosteron-Hypothese (ca. 1 Jahr). Die Ursachen für die kürzere Lebensdauer liegen vielmehr im schlechteren Gesundheitsverhalten, riskanteren Verhaltensweisen mit Alkohol, Tabak und Drogen sowie einem höheren Stresslevel (siehe Pkt. 6) in Beruf und zunehmend auch in Familien.

Bezüglich der Kurzlebigkeit von Männern wird bislang noch zu wenig geforscht. Auch dieser Male-Research-Gap stellt eine Diskriminierung von Männern dar. Was auf jeden Fall zum Phänomen der kürzeren durchschnittlichen Lebensdauer von Männern beitragen dürfte: Männer neigen insgesamt stärker in ihrer klassischen Rolle zur Selbstverschleißung und zur mangelnden Selbstfürsorge. Hier sind Männer aufgerufen, sich selbst für eine Veränderung ihrer Haltung zu Gesundheit und Selbstfürsorge zu engagieren. Sonst wird sich das Phänomen der männlichen Kurzlebigkeit nicht nachhaltig ändern.

9. Männer begehen dreimal häufiger Suizid

Suizide werden deutlich häufiger von Männern als von Frauen begangen. 75% aller Suizidopfer sind Männer. Frauen wiederum drohen häufiger einen Suizid an oder sprechen davon (Parasuizidalität). Häufig werden Suizide von Männern aus einer depressiven, verzweifelten Stimmung heraus begangen. Insbesondere nach Trennung und Scheidung oder beim andauernden Kindesentzug steigt die Suizidquote bei Männern an.

Auch klinische Depressionen können – offen oder latent – im Hintergrund bestehen, bisweilen auch in Kombination mit Suchtstörungen („Männerdepression und Suchtstörungen“). Ebenfalls können Suchterkrankungen mit Suiziden zusammenhängen. Männer brauchen umfassendere Hilfen bei Vereinsamung, in Krisen und bei depressiven Entwicklungen, um das männerspezifische Suizidrisiko zu senken.

10. Männer werden häufiger suchtkrank

Etwa drei Viertel aller Suchtkranken (Alkohol, Drogen, Glücksspiel) sind Männer. Diese Tatsache ist schon lange bekannt. Dennoch gibt es bislang weder eine männerspezifische Suchthilfe noch werden die Ursachen für das Phänomen systematisch angegangen. Jugendliche mit frühen Auffälligkeiten – ganz überwiegend Jungen – werden überwiegend ausgegrenzt und stigmatisiert, aber nicht behandelt (siehe auch „Jugend und Sucht – Entwicklungsaufgaben für Suchtprävention“).

Durch die beschriebene Entwicklung im Bildungsbereich (s. Pkt. 2) werden sich die Risiken noch steigern. Junge Männer ohne Bildungsabschlüsse und oft auch mit Migrationshintergrund werden zu einem gesellschaftlichen Prekariat mit erhöhten Risiken für psychische Störungen, insbesondere Sucht, und Kriminalität. Gesamtgesellschaftlich ist den drohenden und jetzt schon klar erkennbaren Risiken entgegenzuwirken. Dies ist seitens der Familien- und Geschlechterpolitik gar nicht und seitens der Gesundheitspolitik nur partiell erkennbar. 

Gegen Diskriminierung und Ungleichbehandlung beider Geschlechter

Die Auflistung der zehn wichtigsten Benachteiligungen und Diskriminierungen von Männern machen deutlich, dass Gleichbehandlung und Gleichstellung keine Einbahnstraße in die Richtung sein können, bei der ausschließlich Frauen geholfen wird. Für beide Geschlechter bestehen jeweils Benachteiligungen und echte Unterschiede („Gaps“). Nur auf den Gender-Pay-Gap fokussiert zu sein, ist eine Fehlleistung, vor allem der Medien. Die Gaps zwischen den Geschlechtern sind umfassend wahrzunehmen und im Sinne echter Geschlechtergerechtigkeit abzubauen.

Bei den zehn aufgelisteten Punkten, die solche Unterschiede und Benachteiligungen darstellen, muss eine geschlechtergerechte Gesellschaftspolitik genauso ansetzen, wie sie das seit Jahren für Frauen tut. Deshalb bedarf es keiner feministischen, sondern einer humanistischen Politik, die sich um Wohlbefinden, Gesundheit und Förderung beider Geschlechter und um Ausgleich der zwischengeschlechtlichen Interessen im Sinne einer Geschlechtergerechtigkeit kümmert. Die Ansätze des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) folgen schwerpunktmäßig einer rein feministischen Agenda. Sie sind wie ein Schiff, das trotz zahlreicher Warnsignale, kontinuierlich in die eine und falsche Richtung fährt (vgl. „Bundesfamilienminister – ein für Männer unerreichbarer Traumjob“). Kluge, geschlechtergerechte und präventive Politik muss sich den hier skizzierten Benachteiligungen und Diskriminierungen annehmen.

Literaturhinweise: 

Podirsky, Klaus (2021). Der Eisberg des Gender Gap. Verlag: Books on Demand.

 


Tags

Bildung, Diskriminierung, EKE, Eltern-Kind-Entfremdung, Erfolgsdruck, Gender Empathy Gap, Jungen, Karriere, Männer, Quotenregelungen, Scheidung, Selbstaufopferung, Sucht, Suizid, Väter


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren >>>

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}